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“DAS DIALOGISCHE PRINZIP”
1878 wird Martin Buber in Wien geboren. Nach der Trennung seiner Eltern wächst er im Hause seines Großvaters in Lemberg (Polen) auf, wo er auch das Gymnasium besucht und die ersten Kontakte mit dem Chassidismus hat. Ab 1896 studiert er an der philosophischen Fakultät in Wien, später in Leipzig. In dieser Zeit beschäftigt er sich auch mit Mystik!

Angeregt von der Publikation „Der Judenstaat“ von Theodor Herzl setzt er sich ab dieser Zeit intensiv und kritisch mit dem Zionismus auseinander.

Während seines Studiums in Zürich – ab 1899 – lernt er seine spätere Gattin Paula Winkler kennen.

Nach dem Tode von Theodor Herzl im Jahre 1904 trennt er sich von der zionistischen Parteiarbeit. In diesem Jahre promoviert er auch in Philosophie und Kunstgeschichte. Zwischen 1904 bis 1912 beschäftigt er sich intensiv mit den Fragen der Mystik und des Chassidismus. Es erscheinen in dieser Zeit zu dieser Thematik Geschichten und Betrachtungen, etwa „Die Legende des Baalschem“. 1913 wird „Daniel – Gespräche von der Verwirklichung“ veröffentlicht, womit Buber sich von dem Mystischen abkehrt und sich der menschlichen Beziehung hinwendet, die auf der Begegnung mit dem Gegenüber als Partner basiert ... Zur gleichen Zeit entwickelt sich ein erneutes Interesse für den Zionismus. Im Jahre 1923, nach dem einige Schriften über die jüdische Bewegung erschienen sind, liegt die endgültige Fassung von „Ich und Du“ vor.

In dem Jahr erhält er eine Gastprofessur an der Universität Frankfurt a.M. Zusätzlich fängt er gemeinsam mit Franz Rosenzweig mit der Übersetzung der hebräischen Bibel ins Deutsche an. Infolge der nationalsozialistischen Machtübernahme legt er 1933 die Professur nieder und engagiert sich in der Erwachsenenbildung, bis ihm das und jede andere Betätigung 1935 verboten wird. 1938 verlässt er Deutschland und über- nimmt einen Lehrstuhl für Sozialphilosophie an der Universität Jerusalem.

Als 1947 die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas in einen jüdischen und arabischen Staat vorschlagen, setzt Buber sich deutlich für eine Koexistenz von Arabern und Israelis ein. Doch man hört nicht auf ihn. Bei der Proklamation des Staates Israel im Jahre 1948 beginnt dann auch der jüdisch-arabische Krieg, der ab dem Moment eigentlich nie mehr enden wird ...

Buber veröffentlicht weiter viele Werke, reist durch die Welt, engagiert sich für Verständnis und Verständigung und erhält wegen seiner Schriften und seines Einsatzes viele Ehrungen und Preise: 1953 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche, 1963 den niederländischen Erasmus-Preis in Rotterdam.

1961 ist die Verdeutschung der Schrift abgeschlossen.

Nach einem Sturz und einer Operation verschlechtert sich seine Gesundheit erheblich und er stirbt am 13. Juni in Jerusalem.

BUBERS Philosophie: „Das dialogische Prinzip“ oder „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

Martin Buber hat in seinen „Schriften zum dialogischen Prinzip“ – „Ich und Du“, „Zwei-sprache“, „Die Frage an den Einzelnen“, „Das Problem des Menschen“, „Elemente des Zwischenmenschlichen“ – Gedanken und Möglichkeiten für unsere Gesellschaft formuliert, die das Gespräch mit dem Anderen als Grundlage und Chance für die Verwirklichung einer echten Gemeinschaft konstituieren. Im Gespräch oder Dialog zwischen Menschen steht der Andere zentral. Er, sie oder es ist das Subjekt, das uns in der konkreten Situation an spricht und uns zur Antwort bzw. zur Verantwortung auffordert. Buber spricht in diesem Zusammenhang von ICH und DU.

In dem Augenblick, in dem das Ich den Anderen zum Du werden lässt, ist die Rede von einem lebendigen “Zwischen“, von einer Gegenwart, bei der zwei Menschen sich gegenseitig „werden“ lassen. Diesem „Wortpaar ICH-DU“ stellt Buber das „Wortpaar ICHES“ gegenüber. Statt von Begegnung ist dann die Rede von „Vergegnung“: Der Eine hat den Anderen zum Objekt, zum Ding, zum ES gemacht. Die Chance zu einer lebendigen Begegnung hat man vorbeigehen lassen.

Es besteht nur ein abgeklärtes Verhältnis mit festgelegten Positionen. Man kennt sich, ist nicht mehr frei und offen für-einander. In dieser Konstellation erlebt man die „Anderheit des Anderen“ nicht mehr.

Gott existiert für Buber ganz konkret in dieser Tat der „Einung“ zwischen den Menschen. Diese göttlichmenschliche „Einung“ findet immer dann statt, wenn „Der Mensch (...) des Andern als dieses ihm gegenüber Bestehenden innewerden kann.“

Bubers Denken und Handeln kann man nicht besser zusammenfassen als mit jener Textstelle aus „Ich und Du“, mit dem er eine Art Programm formuliert, womit Menschen sich gegenseitig in der Begegnung mit dem Anderen verwirklichen können:
“Erst in zwei Menschen, von denen jeder, wenn er den andern meint, zugleich das Höchste meint, das eben diesem zubestimmt ist, und der Erfüllung der Bestimmung dient, ohne dem andern etwas von der eigenen Realisierung auferlegen zu wollen, stellt sich die dynamische Herrlichkeit des Menschwesens leibhaft dar.“
   
 




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